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Die Nouveaux Fous Berlinois bei der UNESCO

Anlässlich des 70. Jahrestags der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ wurden die Nouveaux Fous Berlinois der Kopernikus-Oberschule vom Berliner Komitee für UNESCO-Arbeit e.V zu der Veranstaltung „Das Recht ein Mensch zu sein“ am Montag, den 10. Dezember 2018, in das Haus des Sekretariats der Kultusministerkonferenz eingeladen.

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Nachdem die Entstehung der Menschenrechts-Agenda und ihre historische und gegenwärtige Bedeutung vorgestellt wurden, wurde kurz die Realität nach dem 10.12.1948 geschildert: Kolonialkriege, Koreakrieg, Vietnamkrieg, Algerienkrieg, Abu Ghuraib, Krieg im Jemen, das Mittelmeer als Massengrab und der „Zug der Tausenden“ in Südamerika.

Frau Berles und Frau Büge lasen auf Französisch und auf Deutsch einen Auszug aus dem Buch  „Indignez-Vous / Empört –Euch!“ : L’indifférence : la pire des attitudes von Stéphane Hessel (1917 – 2013) Diplomat, Kämpfer für die Résistance, Überlebender des KZ Buchenwalds, vor. In diesem Abschnitt geht es darum, dass wir uns angesichts der Geschehnisse in der Welt unbedingt empören und engagieren müssen.

Und damit war der Übergang zu unserem Projekt der Nouveaux Fous Berlinois geschaffen. Zwei Schülerinnen der 13. Klasse, Nele und Christa, berichteten von unserer Tour 2018:

„An der Kopernikus-Oberschule in Steglitz gibt es seit 30 Jahren ein wundervolles Projekt: Französischschüler fahren kurz vor den Sommerferien zwei Wochen lang mit dem Fahrrad durch Frankreich. Sie haben ihr Gepäck in Fahrradtaschen dabei und übernachten jeden Abend an einem anderen Ort in Gastfamilien, wo sie als Dankeschön ein Theaterstück in französischer Sprache aufführen.

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Sie radeln für die deutsch-französische Freundschaft und ihr Ruf eilt ihnen mittlerweile voraus.

Im vergangenen Jahr 2017 bekamen wir die Anfrage von einem jungen Lehrer im Vercors (das ist ein Gebiet südlich von Grenoble), ob wir uns vorstellen könnten, im Juni 2018 dort einige Tage zu verbringen. Der Hintergrund war folgender: Der Vercors ist ein Gebiet in den Alpen mit vielen Höhlen, wie gemacht dafür, dass sich im 2. Weltkrieg dort Kämpfer der Résistance verstecken und organisieren konnten. Leider blieb dies den Nazis nicht verborgen und eine  große, barbarische Schlacht mit einer mächtigen Überzahl der Deutschen tötete nicht nur viele Résistance-Kämpfer, sondern machte auch einige Dörfer dem Erdboden gleich. In jedem Dorf gab es junge Männer, die ihr Leben verloren. Man sieht es an den vielen Gedenktafeln  und –stätten, die sich in jedem Ort finden. Noch  heute werden Deutsche dort als Nazis bezeichnet und sie sind teilweise im Vercors immer noch nicht gern gesehen. Dem wollte nun dieser Lehrer etwas entgegensetzen und obwohl es eigentlich der Idee des Projektes widerspricht, mehrere Tage an einem Ort zu bleiben, haben wir uns dafür entschieden, uns dieser Situation zu stellen. 

So kamen wir also verschwitzt und müde in Pont-en-Royans an und durften dort unser Theaterstück aufführen. Gemeinsam mit französischen Schülern besuchten wir in den nächsten zwei Tagen die Gedenkstätte der Résistance in Vassieux, machten einen Orientierungslauf, besuchten einen ökologischen Bauernhof und durften echte Höhlenforscher sein. Nebenbei aßen wir zusammen, spielten Fußball oder Tischtennis und lebten in den Familien. Die Beziehungen wurden von Tag zu Tag inniger und die französischen Schüler sagten am Ende, dass sie überhaupt nicht verstehen könnten, warum die Deutschen im Vercors als Nazis bezeichnet würden. Diese Schüler sind nun die Multiplikatoren. 

Am 18. Juni besuchten wir die Gedenkstätte der Résistance in Vassieux. Dies ist der Tag, an dem Charles de Gaulle aus seinem Exil in London zum Widerstand aufrief. Anlässlich des gerade in dieser Gegend geschichtsträchtigen Tages wurden wir von dem Verein „Le Souvenir Francais“ zu einem Buffet eingeladen. Der Schulleiter unserer Partnerschule hielt eine bewegende Rede. Besonders eindrucksvoll war, dass er sagte, dass es am Ende des Krieges undenkbar gewesen wäre, dass deutsche und französische junge Leute ohne Schuld zusammen sein könnten. Aber genau das war der Fall. 

Wieder einmal wurde uns bewusst, wie notwendig es ist, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Nationen zu fördern und sich im Geist der Brüderlichkeit zu begegnen. Wir haben auf jeden Fall unsere Mission erfüllt. 

Im nächsten Jahr wollen wir Verdun besuchen.“

Nachdem wir einen zweiminütigen Film unserer Tour gezeigt hatten, bekamen wireinen großen  Applaus und wurden auch in Nachgesprächen bewundernd auf unsere Leistungen angesprochen. Insgesamt ein schöner Abend, der zeigte, dass viele Menschen sich auf verschiedene Weise engagieren und wir auf einem guten Weg sind.

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